Das Alkestis-Spiel nach Euripides, Wilder, Hofmannsthal und anderen
Theatergruppe Rattenfänger
Vorstellungen:
- 19. | 20. | 23. | 24. | 25. | 31. August 2011
- 1. | 2. | 3. | 7. | 8. | 9. | 10. September 2011 - jeweils 20.15 Uhr
Der Stoff in der griechischen Mythologie
Der (gute) König Admetos von Thessalien (Region im Nord-Osten Griechenlands) erfährt durch ein Orakel, dass er sterben muss, dass er sich aber retten kann, wenn er jemanden von vergleichbarem Stand findet, der für ihn stirbt. Weder seine Getreuen noch seine Eltern sind dazu bereit. Seine junge Gattin aber geht für ihn in den Tod, Admetos nimmt das Opfer an.
Herkules, gerührt ob Admetos’ Gastfreundschaft trotz Trauer um Alkestis, steigt in die Unterwelt hinab und gibt Alkestis Admetos zurück.
Die Spielfassung – Würden Sie für Ihren Mann/Ihre Frau sterben?
Euripides hat den Stoff als erster nachgedichtet. Er hält sich dabei sehr eng an die oben beschriebene Überlieferung. Gleiches gilt für die Dramatisierung Hugo von Hofmannsthals. Freiere und den Stoff erweiternde Fassungen stammen u.a. von Thornton Wilder und Alexander Lernet-Holenia.
Einige Fragen, die aus heutiger Sicht besonders interessant erscheinen, werden aber keiner Dramatisierung gestellt oder berührt:
- die nach der Anmassung von Admetos, ein anderer habe für ihn zu sterben.
- die nach dem Grund für Alkestis’ Handeln. Je nach Quelle ist sie Mutter von zwei oder drei Kindern. Was gibt es für Gründe, sein Leben bewusst für jemand anderes hinzugeben?
- die nach der Zeit nach Alkestis’ Rückkehr aus dem Hades. Man kann sich vieles vorstellen, nur nicht, ihre Ehe ginge nun so weiter wie vorher.
Die Spielfassung erzählt unter anderem die überlieferte Geschichte und bedient sich hierfür bei den oben erwähnten Autoren. Gleichzeitig stellt sie dem Stoff heutige, bewusst bodennah formulierte Szenen entgegen, welche die drei zentralen Fragen aus dem Hier und Heute diskutieren. Es entsteht eine Collage aus Alt und Neu, deren verbindendes Element ein grosser Chor aus heutigen Menschen ist. Aus ihm erwachsen die modernen Szenen, er ist es, der die entscheidenden Fragen stellt. So kann er – auch – als Spiegelbild des Publikums betrachtet werden. Natürlich gibt das Stück auch in unserer Version keine Antworten. Aber es können interessante und verständlich gestellte Fragen mit nach Hause genommen werden.
Theatergruppe Rattenfänger
Die Theatergruppe Rattenfänger wurde 1989 gegründet. Der Name des Ensembles leitet sich vom ersten gemeinsamen Stück ab, das in der hinteren Burgruine auf dem Wartenberg die Tradition der Freilichtspiele in Muttenz einläutete: Gespielt wurde Der Rattenfänger von Carl Zuckmayer.
Seither ist es das Ziel der Theatergruppe Rattenfänger, mit anspruchsvollem und lebendigem Theater zur Belebung des kulturellen Lebens in Muttenz und der Region beizutragen.
Zwanzig sowohl von den Stücken als auch vom Stil her sehr unterschiedliche Produktionen sind bisher an stets wechselnden Spielorten entstanden, achtzehn davon unter freiem Himmel.
Oft zog sich das Ensemble – seit der Gründung unter der Leitung von Regisseur Danny Wehrmüller – bewusst grosse Schuhe an, um während der Probenarbeit langsam hineinzuwachsen. Fast jedes Genre des Sprechtheaterrepertoires wurde so schon einmal bespielt, vom Märchen für Erwachsene zum politischen Thesenstück, vom Festspiel zur modernen Bearbeitung klassischer Stoffe, vom Drama zur musikalischen Komödie, von der Commedia dell’ Arte bis Shakespeare ...
Dass die Theatergruppe Rattenfänger trotz dieser Vielfalt der Ansprüche ein unverwechselbares Gesicht erhalten hat, liegt sicher zur Hauptsache an der kontinuierlichen Ensemblearbeit, welche die Mitwirkenden auf und hinter der Bühne und die künstlerische Leitung umschliesst. Aus dieser Kontinuität und Vertrautheit – durch neu hinzukommende MitstreiterInnen immer wieder bereichert und herausgefordert – erwächst die Kraft, tatendurstig, neugierig und wach zu bleiben, was letztlich eine Hauptvoraussetzung für fast jede Art von Kunst ist.
Preise:
1995 Kulturpreis der Gemeinde Reinach (Regie)
1999 Kulturpreis der Basellandschaftlichen Kantonalbank
2003 Kulturpreis der Gemeinde Muttenz